Zielsetzung und Lösungsansatz

Das angestrebte Gesamtsystem von Telemedizin@NRW besteht aus drei miteinander verbundenen Komponenten, die gemeinsam die Lösung tragen. Die erste Komponente umfasst das Informations- und Evidenzportal. Dieses soll Informationen liefern, die für die Angebotsentwicklung in der Telemedizin zentral sind:

  • Laufende Erstellung von Evidenzreports zu telemedizinischen Anwendungen (hier zu den Use Cases), d.h. Auswertung der internationalen Studienlage zur Kosten-Nutzen-Relation der Telemedizin
  • Stets aktuelle Informationen zu den technischen Standards und dem Fortgang des Standardisierungsprozesses in der Telemedizin bzw. Gesundheitstelematik
  • Aktuelle Informationen zu den Rahmenbedingungen (Rechtsprechung, Gesetzgebung usw.)

Als zweite Komponente umfasst Telemedizin@NRW die Entwicklung und Erprobung eines modularen Beratungsangebotes mit neuen telemedizinischen Beratungsleistungen. Dieser neutrale und herstellerunabhängige Beratungsservice berät interessierte Leistungserbringer über technologische und organisatorische Anforderungen zur Konzeption, Implementierung und Umsetzung telemedizinischer Dienstleistungen:

  • Evidenzberatung: Erarbeitung wissenschaftlicher Belegbarkeit des Nutzens einer geplanten Anwendung und Entwicklung individuell angepasster Evaluationsdesigns für telemedizinische Projekte
  • Technologieberatung: Beratung über technische Details und Verbindung mit (der sich aktuell im Aufbau befindlichen) Telematikinfrastruktur (TI)sowie der Identifizierung und Bewertung relevanter technischer Standards

Des Weiteren werden konkrete Beratungsservices zur Entwicklung und Verhandlung von Vergütungs- und Geschäftsmodellen angeboten. Innovativ und einzigartig an diesem Service ist nicht nur die einzelne Beratungsleistung, sondern vielmehr die gezielte Anpassung der Beratungskonzepte an die Bedürfnisse der Telemedizin und des jeweiligen interessierten Leistungserbringers.

Die dritte Komponente beinhaltet die Entwicklung und Pflege der eigentlichen Plattform, um den zukünftigen Nutzern ein herstellerunabhängiges und skalierbares Angebot von Telemedizin-Services zu ermöglichen. Die über die Plattform Telemedizin@NRW verfügbaren, telemedizinischen Services sind nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch frei konfigurierbar, d.h. den Health Professionals wird der Einsatz und die Nutzung von telemedizinischen Services unabhängig von ihrem aktuell genutzten computergestützten Primärsystem in ihrer Praxis angeboten (Interoperabilität). Innerhalb des Projektes wird die technische Umsetzung der einzelnen Use Cases erforscht. Ein weiterer Bestandteil des Projekts stellt die Prüfung der technischen Umsetzbarkeit (z.B. in Bezug auf die Cloud-Anbindung von Geräten über eine USB-Schnittstelle) hinsichtlich des wirtschaftlich vertretbaren Aufwandes dar. Sollte eine Machbarkeit nicht gegeben sein, werden als Alternative im Rahmen des Budgets zusätzliche Systeme mit softwareseitig geeigneten Schnittstellen integriert. Die Behandlungsdokumentation soll in die Primärsysteme der Leistungserbringer überführt werden können und somit unabhängig vom jeweils vorhandenen Primärsystem zur Verfügung stehen. Zu bevorzugen ist eine direkte Integration mit dem Primärsystem des Nutzers, damit kein Medienbruch entsteht und die Hürde des Imports so gering wie möglich ist. Im Zuge der Interoperabilität wird geprüft welche Schnittstellen hier sinnvoll eigesetzt werden können, um eine maximale Abdeckung erzielen zu können. Dabei kann es nötig sein, dass eingesetzte Profile der IHE auf den deutschen Markt angepasst werden oder neu entwickelt werden müssen.